Häufige Fragen


Was bedeutet "dichter Kanal"?

Die GEB führen grundsätzlich Dichtheitsprüfungen von Bestandsleitungen auf Grundstücken mit Wasser nach den Kriterien der DIN 1986 (Gebäude- und Grundstücksentwässerung) Teil 30 (Instandhaltung) durch.

Hierbei wird die Schmutzwassergrundleitung vollständig mit Wasser gefüllt und darf während einer Prüfzeit nur eine bestimmte Wassermenge verlieren, um als dicht zu gelten.

Beispielsweise darf eine 10 Meter lange Rohrleitung mit 15 cm Durchmesser innerhalb von 15 Minuten maximal 1 Liter Wasser verlieren.

Information "dichter Kanal"


Warum müssen Grundstücksentwässerungen dicht sein?

Undichte Abwassersysteme auf Grundstücken können zum Austritt von Abwasser führen, das Boden und Grundwasser verunreinigt und schlimmstenfalls die Trinkwassergewinnung gefährden kann.


Über undichte Grundstücksentwässerungen dringt außerdem häufig Grundwasser ins öffentliche Schmutzwassernetz ein. Dieses „Fremdwasser“ führt zur hydraulischen Überlastung von Kanalnetzen und Kläranlage und sorgt dafür, dass öffentliche Kläranlagen mit schlechterem Wirkungsgrad arbeiten. Fremdwasser belastet die Gebühr zudem mit erheblichen Kosten.


Wenn bei der Prüfung ein Schaden festgestellt wird, muss er dann direkt behoben werden?

In Kanalsanierungsgebieten sollten die Sanierungsarbeiten an den privaten Entwässerungsleitungen in der Regel 2 Jahre nach dem Abschluss der öffentlichen Baumaßnahme durchgeführt worden sein.


Außerhalb der Sanierungsgebiete werden die Fristen individuell mit den jeweiligen Eigentümer einvernehmlich abgestimmt.


Was kostet die Sanierung?

Die Höhe der Sanierungskosten hängt natürlich immer von der Größe der Entwässerungsanlage ab. Umfragen unter Göttinger Grundstückseigentümern haben ergeben, dass bei üblicher Wohnbebauung (Ein- und kleinere Mehrfamilienhäuser) die Kosten im Durchschnitt 10.000 Euro betragen (Stand 2018).


Kann man die Kosten durch Eigenleistungen senken?

Verfügt ein Grundstückseigentümer über die notwendige Fachkenntnis Rohrleitungen nach den technischen Normen zu verlegen, darf er in Göttingen die Arbeiten auf seinem Grundstück auch selbst ausführen. Die neuen oder sanierten Leitungen werden in jedem Fall von den Göttinger Entsorgungsbetrieben durch eine Dichtheitsprüfung abgenommen.


Bezahlt die Gebäudeversicherung die Sanierung der Abwasserleitungen

In einigen - meist älteren - Versicherungspolicen sind defekte Abwasserleitungen mitversichert. Voraussetzungen für eine Deckung der Sanierungskosten sind in der Regel:

  • eine Versicherungspolice mit der Klausel „erweiterte Versicherung von Ableitungsrohren auf dem versicherten Grundstück“
  • dass der Defekt der Leitungen dem versicherten Schadensbild entspricht. Häufig sind nur Bruchschäden versichert, also Risse, Scherben und Einbrüche.

Als Nachweis für eine defekte Leitung wird in der Regel eine dokumentierte TV-Inspektion anerkannt.


Bekomme ich Zuschüsse?

Nein. In Göttingen tragen allerdings die Göttinger Entsorgungsbetriebe in Kanalsanierungsgebieten und bei bestimmten Voraussetzungen auch außerhalb die Kosten für die Untersuchung der Entwässerungsleitungen und die individuelle Beratung durch ein Ingenieurbüro.


Bin ich auch für die Anschlussleitung im öffentlichen Straßenbereich zuständig?

Nein. In Göttingen ist die Grenze für die Zuständigkeit der Hausanschlussleitungen die jeweils erste öffentlich/private Grenze. Das bedeutet, dass jeder Grundstückseigentümer nur für die Leitungen auf seinem Grundstück zuständig ist. (Diese Regelung gilt nicht für private Sammelleitungen mehrerer Grundstückseigentümer.)


Wer bezahlt die Kamerainspektion / Dichtheitsprüfung?

Liegt Ihr Grundstück innerhalb eines Kanalsanierungsgebiets, führen Ingenieurbüros im Auftrag der Göttinger Entsorgungsbetriebe alle erforderlichen Untersuchungen, die Begleitung und die Beratung durch.

Dieser Service steht Ihnen auch zur Verfügung, wenn Ihr Grundstück außerhalb eines Kanalsanierungsgebietes liegt. In diesem Fall müssen Sie jedoch im Vorfeld bestätigen, dass Sie eventuell auftretende Schäden an Ihren Entwässerungsleitungen in einem angemessenen Zeitraum sanieren.


Mir wird eine billige Kanalinspektion / Dichtheitsprüfung / Sanierung an der Haustür angeboten, was tun?

Leider gibt es auf dem Inspektions- und Sanierungsmarkt auch eine Reihe unseriöser Firmen (Kanalhaie). Diese Firmen gehen wie Drückerkolonnen auf Kundenfang. Bevorzugt werden ältere Eigentümer von Einfamilienhäusern an der Haustür angesprochen und regelrecht überrumpelt. Dabei wird meist zum niedrigen Pauschalpreis eine Untersuchung angeboten, der dann eine völlig überteuerte und technisch fragwürdige Sanierung folgt.

Schließen Sie keine Verträge an der Haustür. Fragen Sie im Zweifel lieber bei den Göttinger Entsorgungsbetrieben nach, ob es sich um eine seriöse Firma handelt.


Ich bin Mieter, betriefft mich die Kanalinspektion / Dichtheitsprüfung auch?

Nur indirekt. Zwar ist der Eigentümer einer Immobilie für die Dichtheit der Kanäle verantwortlich, als Mieter müssen Sie jedoch der beauftragten Firma gegebenenfalls Zutritt zur Abwasseranlage gewähren.


Werden Grundstücke nur in Göttingen untersucht oder auch anderswo?

Göttingen nimmt bundesweit eine gewisse Vorreiterrolle bei der Grundstücksbearbeitung nach dem Göttinger Modell ein. Das liegt aber vor allem daran, dass die Göttinger Entsorgungsbetriebe selbst die Untersuchungen und Beratungen auf den Grundstücken finanzieren. Die Notwendigkeit dichte Grundstücksentwässerungsanlagen herzustellen und zu betreiben gibt es aber auch in anderen Städten bzw. Bundesländern.


In Nordrhein-Westfalen beispielsweise regelt ein eigenes Gesetz (§61a Landeswassergesetz) bis wann die Grundstücksentwässerungsanlagen auf Dichtheit geprüft werden müssen. In Schleswig-Holstein gibt es unter Federführung des Ministeriums ebenfalls eine große Kampagne zur Prüfung der privaten Abwasserleitungen. Einzelne Städte oder Gemeinden, die im Bereich Grundstücksentwässerung sehr aktiv sind, sind z.B. Gemeinde Schwanau (Baden-Württemberg), Stadt Köln, Lünen, Reichshof, Billerbeck (Nordrhein-Westfalen), Wolfsburg, Abwasserverband Matheide (Niedersachsen).


Werden die sanierten / neu gebauten Kanäle auch auf Dichtheit geprüft?

Ja. In Göttingen werden alle neu gebauten oder sanierten Schmutzwasserkanäle auf Dichtheit überprüft. Diese Erfolgskontrolle ist auch für die Grundstückseigentümer wichtig, da ohne Abnahmeprüfung nicht sichergestellt ist, ob die Baufirmen auch richtig gearbeitet haben.


Ich möchte Umbauarbeiten an meinem Haus durchführen, was muss ich beachten?

Geeigneter Schutz vor Rückstau, Herstellung dichter Schmutzwasserleitungen, Trennung von Schmutz- und Niederschlagswasser sind nur einige Punkte, die Bauherren oft bei Umbauarbeiten vergessen. Grundsätzlich gilt jedoch: Alle Änderungen Ihrer Entwässerungsanlage sind genehmigungspflichtig. Sprechen Sie uns deshalb vor der Durchführung Ihrer Baumaßnahme an, damit wir Sie ausführlich beraten können. So schützen Sie sich am besten vor späteren, vielleicht teuren Sanierungen.


Warum muss ich Kontrollschächte bauen?

Kontrollschächte dienen der Reinigung, Inspektion und Sanierung der Abwasserleitungen. Eine Revisionsöffnung, die innerhalb des Hauses versteckt ist, erfüllt diese Aufgaben nicht. In der Abwassersatzung ist die Forderung nach Kontrollschächten schon seit vielen Jahren fest verankert.


Ist es zulässig einen Revisionsschacht mit Erdreich zu überdecken und zu bepflanzen?

Nein. Ein Kontrollschacht soll eine schnelle Zugänglichkeit zum Kanalnetz ermöglichen. Ist die Schachtabdeckung verschüttet, so ist dies nicht mehr gegeben. In vielen Fällen wissen die Eigentümer dann auch meist gar nicht mehr, dass überhaupt ein Kontrollschacht existiert.


Muss Regenwasser immer in den Kanal eingeleitet werden?

Nein. Unter bestimmten Voraussetzungen können Grundstücke ganz oder teilweise vom Anschluss- und Benutzungszwang für Regenwasser befreit werden. Dies betrifft z.B. Grundstücke, die direkt an ein Gewässer angrenzen oder die ihr Regenwasser auf dem Grundstück versickern. Die Versickerung von Regenwasser ist aufgrund besonderer geologischer Verhältnisse leider nur in wenigen Gebieten Göttingens möglich. Wir informieren Sie gerne, ob Ihr Grundstück für eine Versickerung geeignet ist.

Die Befreiung vom Anschluss- und Benutzungszwang kann auf schriftlichen Antrag erteilt werden.


Darf Drainagewasser in die öffentliche Kanalisation eingeleitet werden?

Gemäß der Abwassersatzung der Stadt Göttingen darf Drainagewasser in den Regenwasserkanal, nicht aber in den Schmutzwasserkanal abgeleitet werden. Hierfür werden keine zusätzlichen Gebühren erhoben.


Kann man sich für die Gartenbewässerung von den Schmutzwassergebühren befreien lassen?

Ja. Hierfür ist der Einbau eines zusätzlichen Gartenwasserzählers erforderlich. In unserem Merkblatt Gartenwasserzähler erfahren Sie alles Wissenswerte zum Einbau, Antrag und zu den Kosten.