Wiederaufbau des Bioenergiezentrums Göttingen

14.08.2019 Erstellt von: Göttinger Entsorgungsbetriebe

„Nach dem verheerenden Brand im August 2016 und dem nun vollzogenen ersten Spatenstich für den Wiederaufbau soll die Anlage ab November 2020 sukzessive in Betrieb genommen werden“, stellt Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler heute in Aussicht. Ein sportlicher Zeitplan für ein Vorhaben dieser Größe.

Nach Auswahl der grundsätzlichen Wiederaufbauvariante, der Planung, der Einholung der Genehmigung und der Ausschreibung der erforderlichen Leistungen beginnen nun die Bauarbeiten.

Alles in allem konnte die relativ kurze Projektlaufzeit bis heute dank des überaus schnellen und auch reibungslosen Miteinanders der Politik, Behörden, Planer und Unternehmen realisiert werden. 

Für die Errichtung der Gesamtanlage konnte in europaweiter Ausschreibung das renommierte Unternehmen Waste Treatment Technologies, WTT mit Sitz in Oldenzaal, Niederlande, unweit der deutschen Grenze gewonnen werden. Das vergebene Auftragsvolumen beträgt 12,8 Mio. EUR netto.

Die fast vollständige Zerstörung der alten Anlage wurde von den Göttinger Entsorgungsbetrieben (GEB) dabei als Chance genutzt, ein neues, auf höchstem technischen Niveau funktionierendes Bioenergiezentrum, zu errichten.  

Das grundsätzliche Anlagenlayout wurde von der mit der Planung und Bauüberwachung beauftragten Bietergemeinschaft, Umwelttechnik & Ingenieure GmbH, Hannover, und Iba Ingenieurbüro für Abfallwirtschaft & Energietechnik GmbH, Hannover entwickelt. Die Projektsteuerung des Vorhabens wird durch die GAVIA GmbH & Co. KG mit Sitz in Berlin wahrgenommen. 

In der neu zu errichtenden Tunnelkompostierungsanlage, mit vorgeschalteter Batch-Fermentation (Vergärung), können bis zu 22.500 Jahrestonnen an Bioabfällen und Grüngut verarbeitet werden, darunter auch 5.500 Tonnen an Bioabfällen aus dem ehemaligen Landkreis Osterode / Harz. Der kaufmännische Betriebsleiter, Dirk Brandenburg, ist zu Recht stolz auf die damit erreichte Intensivierung der kommunalen Zusammenarbeit: „Ein weiterer richtungsweisender Mosaikstein in der vertrauensvollen interkommunalen Zusammenarbeit.“

„Bei Vollauslastung werden hier jährlich neben ca. 1,6 Mio. Kubikmeter Biogas auch 7.500 Tonnen Qualitätskompost erzeugt“, erläutert die technische Betriebsleiterin, Maren Reimann, den zu erwartenden Output. „Unter der Annahme, dass eine Badewanne150 Liter fasst, entspricht die Kompostmenge 111.100 gefüllte Badewannen“, verbildlicht sie die große Menge.

Das gewonnene Biogas wird teilweise für den Strom- und Wärmebedarf des Bioenergiezentrums genutzt, der Rest wird über eine Mikrogasleistung zur ebenfalls GEB-eigenen Abwasserreinigungsanlage (ARA) zur Verstromung geleitet. Somit werden sowohl das BEZ wie auch die ARA weitgehend energieautark. Es kann dadurch weitgehend der Bezug von Fremdenergie vermieden werden und sogar noch überschüssiger Strom in das Stromnetz eingespeist werden. Die insgesamt aus dem Biogas erzeugte Elektrizitätsmenge entspricht dabei dem Durchschnittsverbrauch von 1.200 Privathaushalten. Die erreichte jährliche CO2-Einsparung durch das gewählte Verfahren beträgt 3.240 Tonnen

- in etwa so viel wie 18 Mio. gefahrene PKW-km.

In Abhängigkeit von den Abgabekonditionen für den Fertigkompost werden Gesamtbehandlungskosten von rd. 85 Euro je zu verarbeitender Tonne Bioabfall erwartet.

 „Am Ende der gesteuerten Kompostierung soll ein herausragender Qualitätskompost herauskommen“, so der BEZ-Abteilungsleiter, Jörg Bittner. „Unser Ziel ist die Vermarktung des gütegesicherten Komposts nach den Vorgaben des Ökolandbaus.“ Zu den Abnehmern gehören insbesondere Landwirte im direkten Umfeld der Stadt Göttingen und auch Betriebe in der Region Südniedersachsen. Für die Abgabe von Kompost an Privatbürger wird ein gesondertes Abgabelager eingerichtet, um die Nährstoffkreisläufe in die Göttinger Privatgärten auf direktem Wege wieder zu schließen.  

Die nach dem neuesten Stand der Technik arbeitende Anlage erhält zudem ein von außen sichtbares „grünes Mäntelchen“. Fassadenbegrünung und Holzverkleidung des Verwaltungsgebäudes sollen dem modernen Industriebau ein in die Umgebung eingepasstes Erscheinungsbild geben.

Und es entsteht auch ein neuer außerschulischer Lernort auf dem etwa 20.000 m² großen Gelände des BEZ. Ohne in die betrieblichen Abläufe einzugreifen, wird es für die GEB zukünftig möglich sein, Besuchergruppen über einen Besucherweg entlang des Daches der Anlage einen Überblick über alle wesentlichen Anlagenteile zu geben und in die Hintergründe der Kompost- und Biogasgewinnung einzuführen.